|
AN DIE WELTÖFFENTLICHKEIT
85 Jahre sind inzwischen seit dem bitteren Ereignis des großen
Völkermordes an dem Volk der Assyrer-Suryoye verstrichen,
welches sich 1915 ff. während der Jahre des ersten Weltkrieges
in Kleinasien, in dem damaligen Osmanischen Reich zugetragen
hatte. Die Wunden jedoch, die in dieser Zeit, einer der dunkelsten
Epochen unserer Geschichte, geschlagen wurden, und die Schmerzen
übertrugen sich von Generation zu Generation und sind heute
noch spürbar. Obwohl der Genozid von 1915 ff. das Volk der
Assyrer-Suryoye so tief beeinflußt und in seinen Grundfesten
erschüttert hat, ist dieses tragische Schicksal und Geschehen
der Weltöffentlichkeit weitgehend unbekannt geblieben.
In einer Phase der Globalisierung, wo Grenzen
und Unterschiede zwischen den Menschen und zwischen den Ländern
aufgehoben werden, sind vergangene und gegenwärtige Völkermorde
in den Verantwortungsbereich der gesamten Menschheit gerückt.
Dies gilt vor allem in der gegenwärtigen Zeit, in der die
Europäische Union (EU) ihre Grenzen ausgeweitet, die Tore
für die Türkei weit geöffnet und sich dem Nahen
und Mittleren Osten intensiv zugewendet hat. Vor diesem Hintergrund
ist der Völkermord von 1915 ff., der ein großes Verbrechen
gegen die Menschlichkeit und die Menschheit darstellt, mittlerweile
auch zum europäischen Problem geworden.
Heute, vor dem Eintritt in das 21. Jahrhundert,
ist überall von Frieden unter den Menschen und Völkern
zu hören. In diesem Sinne werden viele Mächte und Kräfte,
die Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben und begehen
und die eine Gefahr für den globalen Frieden darstellen,
zur Rechenschaft gezogen. In den ersten Monaten des Jahres 2000
wurde der Holocaust an die Juden wieder einmal auf die Tagesordnung
des gesellschaftlichen und politischen Geschehens gebracht. In
diesem Zusammenhang haben sich viele europäische Staaten
je nach ihrer Schuld und Verwicklung in diese Entsetzlichkeiten
entschuldigt und um Vergebung gebeten.
Der Völkermord an dem Volk der Assyrer-Suryoye jedoch blieb
ungenannt und/oder schlichtweg vergessen, so daß hier nur
Schweigen und Stille herrschen. Damit aber dieser Völkermord
ebenfalls aufgedeckt und aufgeklärt werden kann, müssen
die Staaten, internationalen Institutionen und die Weltöffentlichkeit
die Augen öffnen und die auf ihren Schultern lastende Aufgabe
verantwortungsbewußt erfüllen. Wir fordern, daß
der Völkermord von 1915 ff., in dem über 500.000 unschuldige
Menschen - d.h. ZWEI DRITTEL des Volkes der Assyrer-Suryoye -
barbarisch ermordet wurden, anerkannt wird und daß Gerechtigkeit
geübt werde, indem die verantwortlichen osmanischen Türken
und die feudalen Kurdenstamme verurteilt werden und die Türkei
als Rechtsnachfolger des osmanischen Reiches zur Rechenschaft
gezogen wird.
Vor diesem Hintergrund rufen wir die Weltöffentlichkeit
zur Solidarität mit dem Assyrer-Suryoye Volk und seinem
berechtigten Existenzkampf für seinen nationalen Fortbestand
und zur aktiven Unterstützung unserer folgenden Forderungen
auf:
Unter der Leitung der Vereinten Nationen
(UNO) und der Europäischen Union (EU) ist der besagte Völkermord
1915 ff. auf internationale Plattformen zu bringen, wofür
eigens Konferenzen einzuberufen sind.
Anerkennung der nationalen Identität des Assyrer-Suryoye-Volkes.
Anerkennung der nationalen, gesellschaftlichen und kulturellen
Rechte des Assyrer-Suryoye-Volkes, ganz gleich, wo es lebt.
Seitens der heutigen Türkei als Rechtsnachfolger des Osmanischen
Reiches die Anerkennung des Völkermordes von 1915 ff. sowie
die vollständige Übernahme der moralischen, vom Gewissen
geforderten, politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen
Verantwortung sowohl für alle damals begangenen als auch
für alle bis heute von ihr gegenüber den Assyrer-Suryoye
begangenen Verbrechen.
Die sofortige Beendigung unserer nationalen, gesellschaftlichen
und kulturellen Unterdrückung, der Politik der Vernichtung
des Volks der Assyrer-Suryoye und der Politik der Verleugnung
seiner nationalen Existenz sowie die internationale Unterstützung
bei der Bekämpfung dieser herrschenden Mißstände.
Mit Wut und Empörung verurteilen wir
die Täter des Genozids von 1915 ff., der eine große
blutende Wunde im Herzen des Assyrer-Suryoye-Volkes hinterlassen
hat. Weiterhin rufen wir einen jeden Menschen auf, der sich auf
Frieden, Menschlichkeit und Gerechtigkeit beruft, diesen Völkermord
zu verurteilen und dem berechtigten Kampf des Assyrer-Suryoye-Volkes
hilfreich zur Seite zu stehen.
Koordinationskomitee für Nationale
Fragen des Assyrer-Suryoye-Volkes
08.04.2000 |